



Der Osterteppich von Lüne
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Der Osterteppich, auch Auferstehungsteppich genannt, nimmt unter den zehn Bildteppichen, die im Kloster Lüne zwischen 1492 und 1505 gestickt wurden, nach Qualität, Darstellungsprogramm und Größe beurteilt, einen herausragenden Platz ein. In einer für das Spätmittelalter ungewöhnlich streng geometrischen Komposition zeigt er die Ordnung des Jahres mit der Auferstehung Christi als Vollendung der Erlösung.
Der Auferstandene steht, umgeben von Engeln und Kriegsknechten, im Zentrum einer Kreiskomposition, die den Stern der Woche und die „Sphärenharmonie“ in Gestalt von Engeln im Ring der Monde und unter der Sonne zeigt. Sieben Sternzacken, jede mit einem kleinen Stern gefüllt, symbolisieren dabei die Tage der Woche, zwölf Glocken die Stunden des Tages und zwölf Monde die Monate. Die zwölf galt im Judentum und bei den frühen Christen als Verbindungszahl zwischen Himmel und Erde. Die vier, die Zahl der Welt, vervielfacht mit der Zahl des göttlichen, der drei, ergibt die Zwölf.
In den vier Ecken des Mittelfeldes finden sich Symbole der Auferstehung und der Errettung vom Tode: Ein Adler, der ein Junges der Sonne entgegen trägt; der sich im Feuer verjüngende Phönix; der Löwe, der seine totgeborenen Kinder durch den eigenen Atem Leben einhaucht; der Pelikan, der seine Jungen mit dem eigenen Blut nährt. In das Konzert der musizierenden Engel fallen die niederdeutsch zwitschernden und rufenden Vögel und Fabelwesen in den 46 Feldern des Randstreifens ein und bringen in das theologisch-lehrhafte Programm des Mittelfeldes eine volkstümliche Note.
Die umlaufende lateinische Inschrift berichtet von der Anfertigung des Bildteppichs unter der Äbtissin Sophie von Bodendike im Jahre 1504, zugleich aber auch von deren Tode im gleichen Jahr. Die Engel in den Ecken des Teppichs halten außer dem Wappen von Bodendike und des 1505 ausgeschiedenen Probstes Nikolaus Schomaker auch diejenigen ihrer Nachfolger, der Äbtissin Mechthild Wilde und des Probstes Johann Lorbeer. Die Arbeit am Osterteppich muss sich also mindestens bis in das Jahr 1505 hingezogen haben.

Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg


Osterteppich aus dem Kloster Lüne,
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, vormals im Kloster Lüne.
Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg