



15.10.2005, Allgäuer Zeitung: Millionen-Projekt offiziell eingeläutet
Nach zweijährigen Vorbereitungen Startschuss für EU-geförderte Unter-
suchungen an Glocken Kempten (sh).
Wahrscheinlich ist es Bruder Jakob mittlerweile leid. Seit Jahrhunderten wirft man
dem Klosterbruder aus dem alten französischen Volkslied schließlich schon vor,
eine Schlafmütze zu sein und sogar das lautstarke Läuten der Kirchenglocken zu
ignorieren. „Hörst du nicht die Glocken?“, diese Frage könnte man aber auch an
der Kemptener Fachhochschule stellen. Doch wenn an der FH tatsächlich niemand
Kirchenglocken läuten hört, liegt das sicher nicht daran, dass die Studenten vor
sich hin träumen. Die Glocken, die dort seit fast zwei Jahren für Versuche zur
Lebensdauer von Kirchglocken schlagen, erklingen nämlich in einem schalltoten
Rau´m, aus dem kein Laut nach draußen auf das FH-Gelände dringt (wir be-
richteten).
Nach zwei Jahren der Vorbereitung wurde nun das eigentliche Forschungsprojekt
buchstäblich „eingeläutet“, für das die Europäische Union die Kemptener mit einem
Budget von 1,6 Millionen Euro ausgestattet hat. Mit Besuchern aus ganz Europa
fiel an der FH der Startschuss, denn an dem Projekt sind neben die Kemptenern
auch acht europäische Glockengießereien, das Erzbistum Freiburg, der TÜV und
die beiden Universitäten Padua und Ljubliana beteiligt.
Warum das Projekt auf europäischer Ebene solche Anerkennung erfährt, dass
selbst der Vatikan, die deutsche Bischofskonferenz und der evangelische Kirchenrat
es empfohlen haben, erklärt der Kemptener FH-Professor Dr. Andreas Rupp so:
„Für die Glockengießer ist es von großer Bedeutung, dass sie Schäden an Glocken
erklären und mit den Erkenntnissen aus unserem Projekt weitere Schäden sogar
verhindern können“.
Beim Auftakt für das Forschungsvorhaben zeigten sich die Besucher aus verschie-
denen Teilen Europas beeindruckt vom schalltoten Raum an der Fachhochschule,
aus dem weder ein Ton nach draußen gelangt, noch Geräusche von außen zu
hören sind.
Im schalltoten Raum sind nicht nur Glocken installiert, dort stehen auch die Geräte, die zum Beispiel die Beschleunigung des Klöppels registrieren, den Klang der
Glocke aufnehmen oder auch die Verformung der Glocke messen. Ein Computer
spuckt dann die entsprechenden Daten aus.
Und wie geht es nun mit dem Projekt weiter? Zunächst einmal werden von den EU-
Mitteln zwei Wissenschaftler und ein Techniker bezahlt, die an der FH forschen.
„Auch an den anderen Universitäten im Ausland werden sich Wissenschaftler mit
dem Projekt beschäftigen“, erklärt Rupp. „Koordiniert wird das Ganze aber vom
Allgäu aus.“
Und wenn die Kemptener in den nächsten Jahren ordentlich geläutet haben, dann
geht es „berühmten europäischen Glocken“ (Rupp) „an die Klöppel“: Die gewon-
nenen Erkenntnisse sollen nämlich direkt angewandt werden.
21.12.2005, Wochenblatt: Läuten im Namen der Wissenschaft
(PDF, 132 kB)
21.12.2005, Badische neue Nachrichten: Zum Erhalten der Glocken
(PDF, 79 kB)
23.12.2005, Boulevard Baden: Glocken sollen schonend Läuten
(PDF, 106 kB)
11.11.2006, Südwest Presse: Der Schwörglocke droht der Gesichtsverlust (PDF, 1,2 MB)


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