



Himmel und Erde zu verbinden war vornehmste Aufgabe der Glocken in zahlreichen Kulturen. Ihre Klänge waren dazu bestimmt, die Sorgen und Nöte der Menschen gemein- sam mit ihren Gebeten gen Himmel zu tragen. Wo und wann immer Glocken oder Glöckchen erklangen, wandten sich die Menschen Göttlichem zu. Die Bilder, Ornamente und Inschriften der Glocken sollten von der Frömmigkeit der Menschen künden und klangvoll davon Zeugnis ablegen.
Dies ist wohl der tiefste Grund, warum die Gläubigen und in ihrem Auftrag die Kunstschaffenden aller Kulturen und aller Zeiten ihre Glocken oder Glöckchen mit eindrucksvollen Bildern und Inschriften schmückten.
Das Christentum hat bereits in seinen Anfängen über Inschriften und die Gestaltung von Glocken nachgedacht, wie wir in dem Brief nachlesen können, den Abt Eugippius von Castellum Lucullanum in Süditalien um das Jahr 535 aus Karthago erhielt. Eugippius hatte von Bischof Fulgentius eine Glocke als Geschenk erhalten und Fulgentius schrieb dazu:
Meinen Namen habe ich aber nicht eingeschrieben, da ihn der Heilige Geist bereits in dein Herz geschrieben hat.
Das Christentum nutzte die Höhe seiner Kirchtürme, um die Glocken, die Verkünder der Botschaft des Auferstandenen, den Niederungen des Alltags entschweben und nahe dem Himmel erklingen zu lassen. Aber trotz ihrer vordergründigen Alltagsferne waren ihre Klänge so eng mit den Menschen und ihrem Leben verwoben, dass jede Glocke auf einen Namen geweiht oder gesegnet wurde. Man wollte sie beim Namen nennen und e- wartete von ihnen auch eine Botschaft, eine Antwort und Hilfe von oben. So ist es geradezu folgerichtig, dass seit dem frühen Christent um zahlreiche bekannte und in Vergessenheit geratene Bildhauer Glocken mit
geistreichen und prachtvollen Kunstwerken schmückten.




Freiburg St. Josef -
Emil Wachter


