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15.04.2021
Guldenglocke d’ in der Herrenberger Stiftskirche wird ersetzt

Die neue Vaterunser-Glocke wird die Guldenglocke ersetzen

Nahezu 400 Jahre war die Guldenglocke d’ in der Herrenberger Stiftskirche die größte Glocke im Gäu und grundierte das jeweilige Geläute der Kirche. Erst 1995 gab sie diese Funktion an die Gloriosa b° ab und stellte nunmehr das Fundament der kleineren Teilgeläute im mittler­weile errichteten Glockenmuseum dar. Allerdings kam es 1998 und 2006 zu Rissbildungen in der Glocke, und nach zweimaliger Schweißung steht sie inzwischen erneut vor einer weiteren Rissbildung. Wie ist das zu erklären?

Der ehemalige Herrenberger Stadtarchivar Traugott Schmolz berichtete vor etwa 20 Jahren, dass die Glocke bei der kriegsbedingten Abnahme 1942 mit einem Vorschlaghammer zer­schlagen werden sollte, was aber nicht gelang. Jedoch dürften damals wohl viele verborgene Haarrisse entstanden sein, die eine dritte Schweißung sinnlos erscheinen lassen. Außerdem passt die Guldenglocke, die durch die Schädigungen tiefer als früher erklingt, nicht mehr in die Schlagtonlinie des großen Museumsgeläuts.

Deshalb beschloss 2017 der Verein zur Erhaltung der Stiftskirche, nachdem sich ein Glocken­stifter gefunden hatte, eine klanglich passende Glocke als Ersatz gießen zu lassen. Diese sollte vor allem die letzte Funktion der Guldenglocke, nämlich zum Vaterunser-Gebet während der Gottesdienste zu läuten, übernehmen und außerdem wieder mehrere Teilgeläute grundieren. Schließlich soll mit dem Neuguss der Glocke auch endlich die Tonleiterlücke zwischen den Schlagtönen c’ (Dominika) und es’ (Betglocke) geschlossen, der alte Uhrenschlag wieder her­gestellt und ein 20-stimmiges Plenumsgeläute ermöglicht werden – das zahlenmäßig größte in ganz Deutschland!

Mit der Glockenzier wurde der ehemalige Herrenberger Dekan Dieter Eisenhardt beauftragt.

Der 27. April ist der lang herbeigesehnte Tag. Bei der Glockengießerei Albert Bachert in Neunkirchen beginnen die Arbeiten an der neuen Glocke