Prominente über Glocken

Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft im Gefängnis Tegel , Juni 1944 "Nächtliche Stimmen in Tegel", in "Widerstand und Ergebung", GT


Zwölf kalte, dünne Schläge der Turmuhr wecken mich.
Kein Klang, keine Wärme von ihnen bergen und decken mich.
Bellende, böse Hunde um Mitternacht schrecken mich.
Armselige Geläute trennt ein armes Gestern vom armen Heute.

Ob ein Tag sich zum anderen wende,
der nichts Neues, nicht Besseres fände,
als daß er in Kurzem, wie dieser ende ...
Was kann mir´s bedeuten?

Ich will die Wende der Zeiten sehen,
wenn leuchtende Zeichen am Nachthimmel stehen,
neue Glocken über die Völker gehen
und läuten und läuten ...

in ihrem Tagebuch


Vater, Mutter und Margot können sich noch immer nicht an das Geräusch der Westerturmglocke gewöhnen, die jede Viertelstunde angibt, wie spät es ist. Ich schon, mir hat es sofort gefallen, und besonders nachts ist es so etwas Vertrautes.

aus dem Gefängnis in Ulm am Frauengraben wenige Tage nach der Hinrichtung ihrer Geschwister Hans und Sophie


Lieber Vater! In der Zelle wird man hellhörig. Die Ohren nehmen dort mehr wahr als die Augen. Den Turm des Ulmer Münsters konnten wir nicht sehen, aber um so eindrucksvoller seine Glocken hören. Was sie uns zutrugen, kann nur ihr Klang wiedergeben, es ist nicht in Worte zu übersetzen. Die Münsterglocken waren das Jenseits der Zelle, verbindend, nicht trennend, tröstend, nicht verletzend. Sie bewegten die Luft, und die Wellen hoben uns über die Gitter weg, hinaus in die Welt.

Im Glockengeläut berührt sich die Zeit immer wieder mit ihrem Gegenpol, der Nichtzeit, und das ist die Ewigkeit.

hatte um das Jahr 1865 eine unheilvolle Vision.


Ich sehe die Zukunft dieses von Haß und Streit getriebenen und in endlos blutige Fehden verstrickte Abendland. Ich stehe an den Ufern eines großen Stromes, ich sehe den Rhein. Ich höre Glockenläuten, die erzernen Stimmen der Glocken von Köln, Mainz, Aachen und Worms. Der mondbeschienene Himmel verdunkelt sich unter einem Aschenregen: Riesige Feuer leuchten am Firmament. Die Glocken bersten, Städte sinken in Trümmer, Dome stehen wie Fackeln in der Nacht. Es ist wie das Ende des Abendlandes!

nimmt in "Gedanken des Friedens" das Thema Glocke erneut auf.


Die Glocke dankt ihrem Meister ihre Stimme und dankt es dem Glöckner, daß sie ertönt - und doch, wieviel liegt daran, daß die Glocken sprechen für ein Land und Volk und ihr Schall sich emporschwingt aus der Zeitlichkeit in den Himmel! Das Gebet ist der große Übergang des geschichtlichen Lebens in das ewige Leben.

vergleicht die Liebe mit einer Glocke


Liebe ist eine Glocke,
welche das Entlegenste
und Gleichgültigste widertönen läßt
und in eine besondere Musik verwandelt.

im Buch "Von heiligen Zeichen":


Aus dem Hause Gottes wächst der Turm in die freie Luft und nimmt sie gleichsam für Gott in Besitz. Im Turm, im Gestühl, hängen die Glocken schwer von Erz. Sie schwingen um die Welle, und ihr ganzer, klar geformter Körper schwingt, und sendet Klang auf Klang hinaus in die Weite .......

Ja, wenn wir Glocken hören, dann fühlen wir die Weite! Wenn sie vom Turm in die Ebene schwingen, nach allen Seiten ins endlose hinaus, dann zieht die Sehnsucht mit in die Ferne ....... Da spürt man die Weite. Wie ein Ausbreiten der Seele ist´s, ein Hinüberspannen, ein Antworten auf den fernen Ruf der Unendlichkeit .......

O Herr, weiter als die Welt ist meine Seele. Tiefer als alle Täler ihr Verlangen. Und ihre Sehnsucht schmerzlicher, als fern verlorener Glockenklang.

In: "Was Glocken uns verkünden


Nah am Ohr, nah am Herzen

Das herzzerreißende Schweigen der Glocken am Karfreitag intensiviert die Trauer um den Herrn und die Sehnsucht, ihn und die dahingegangenen Lieben und sich selbst am Leben zu wissen. Eigene Zeit weise auszunutzen, mahnt die Totenglocke. Tauf- und Hochzeitsgeläut geleitet fröhlich gestimmte Gemüter vor Anbruch des Alltags zur Basis, zum Ort des erklärten Segens.

Osterjubel und Weihnachtsgottesdienst sind ohne Fisch und Wiener Würstchen denkbar - nicht aber ohne wildes, begeistertes Glockengetöse. Ist es nicht einfach wunderbar, wenn sich tiefe und helle Töne mit mittleren Lagen mischen, gen Himmel steigen und Stadt und Land klingend darauf verweisen, dass im besten Sinne des Wortes Unerhörtes geschieht? Menschen sollen leben - das ist doch wahrlich vielfach akustische Schläge wert.

Glockenklang ist Musik, "Nachklang aus einer entlegenen harmonischen Welt! Seufzer des Engels in uns", wie Jean Paul sagt. Niemals würde ich wohnen wollen, wo ich keine Kirchenglocken höre. Immer wenn es Ostern wird, möchte ich die erleichterten Seufzer der Engel über den Sieg des Lebens ganz nah an meinem Ohr und an meinem Herzen vernehmen.

In "Glocken in Geschichte und Gegenwart" und "Klänge zwischen Zeit und Ewigkeit


Wie könnten wir das beredte Schweigen der Glocke ertragen, wenn wir an die Worte Reinhold Schneiders denken oder auf die unsägliche Geschichte der schweigenden Glocke zurückblicken. Da scheint es doch weit sinnvoller, wir beschäftigen uns wieder mehr mit dem Sinn ihres Läutens und mit der Eindringlichkeit ihrer Botschaft, als mit der angstvollen Ungewißheit ihres Schweigens .......

....... Die Glocke wird auch weiterhin eng mit der Botschaft Jesu Christi verbunden bleiben und ihr Schicksal teilen. Gelingt es uns, diese Heilsbotschaft mit Leben zu füllen, ihre Vielfalt den Menschen nahezubringen, dann werden die Klänge, welche diese Botschaft verkünden, auch weiterhin die Seele der Menschen erreichen. Dann werden Glocken auch im nächsten Jahrtausend läuten, solange Menschen ihre Klänge zu deuten verstehen.

Im Buch "Das Inselreich"


"Verlieren die Glocken Ihre Gewalt über den Lärm, die Türme die Herrschaft über die Dächer, so ist keine Hoffnung und kein Leben mehr."

schreibt in seiner Erzählung "Am Oka-Fluß entlang"


"Schon immer waren die Menschen
selbstsüchtig und oft wenig gut:
Aber das Abendläuten erklang,
schwebte über den Feldern, über dem Wald.
Es mahnte, die unbedeutenden,
irdischen Dinge abzulegen,
Zeit und Gedanken der Ewigkeit zu widmen.
Dieses Läuten bewahrte die Menschen davor,
zu vierbeinigen Kreaturen zu werden."

Der französische Dichter und Romantiker, würdigte vor 170 Jahren in eindringlichen Worten die Botschaft der Glocken


Weil wir in den Tempel Gottes treten sollten, so laßt uns zunächst von der Glocke reden, welche uns dahin ruft! Mir scheint der Umstand sehr wunderbar und bemerkenswert, daß die Kunst erfunden ward, durch einen Klöppelschlag in einer und derselben Minute in tausend verschiedenen Herzen eine und dieselbe Empfindung zu wecken. Daß man also Wind und Wolken zwang, sich mit unseren Gedanken zu beladen.